Am 30. Juni 2020 ist es soweit: Die QR-Rechnung (Quick Response) mit Zahlteil und Empfangsschein ersetzt die roten und orangenen Einzahlungsscheine. Für die Schweizer Banken, Finanzinstitute, aber auch für die Unternehmen aller Branchen bedeutet das: Sie müssen ihre Verarbeitungsprozesse anpassen, um ab Mitte kommenden Jahres einen reibungslosen Zahlungsverkehr zu gewährleisten. „Die Tools stehen zur Verfügung. Aber von der IT bis zu den Teams für die Zahlungsabwicklung muss sich die gesamte Organisation an den neuen Standard anpassen“, meint Markus Mettler, Senior Consultant, DTI AG. Der Experte für Erkennung, Klassifikation und automatisierte Inhaltsextraktion erläutert, worauf Rechnungsleser und Rechnungssteller jetzt achten sollten. Er erläutert die Gründe für die Umstellung auf die QR-Rechnungen sowie die Chancen und Herausforderungen für Finanzinstitute und Privatwirtschaft.

Markus Mettler, Senior Consultant bei der DTI Schweiz AG

Die Hauptträger des Zahlungsverkehrs in der Schweiz sind die Schweizerische Nationalbank (SNB), die Banken und die PostFinance. Im Bereich des Zahlungsverkehrs hat die SNB den Auftrag, das Funktionieren bargeldloser Zahlungssysteme zu erleichtern und zu sichern. Die SNB nimmt diese Aufgabe wahr, indem sie als Systemmanagerin des Schweizer Interbanken-Zahlungssystems, des Swiss Interbank Clearing (SIC), fungiert. Seit der Einführung des SIC-Systems im Jahr 1987 ist die SIX Interbank Clearing AG, im Auftrag der SNB, für dessen Betrieb verantwortlich.

Im Überweisungs- und Lastschriftverfahren der Schweiz bestanden bis 2018 über zehn Standards und Formate parallel. Zudem gab es sieben verschiedene Varianten von Einzahlungsscheinen. Diese Vielfalt wollte die Schweiz reduzieren. Mit der Einführung der europäischen Standards auf Basis der ISO 20022 im Jahr 2017 hat sie den nationalen Zahlungsverkehr neu geregelt: Das Ziel ist, die Zahlungsverkehrsverfahren und die Systeme der Banken sowie der PostFinance AG zu vereinfachen und zudem europäischen Standards anzugleichen. Der Zahlungsverkehr soll effektiver, schneller und weniger fehleranfällig sein und zudem Geldwäsche erschweren. Mit ihm wurden deshalb auch die bisherigen proprietären Kontonummern auf IBAN umgestellt. Betroffen waren auch Überweisungen, Lastschrift, Einzahlungsscheine und Avisierungen.

 

Das neue digitale Verfahren auf Grundlage des QR-Codes basiert auf der ISO 20022 für Zahlungsverkehrsnachrichten. Lange haben die Schweizer Finanzinstitutionen über die mögliche Umsetzung debattiert. Zwei Versuche zur Einführung des QR-Code-Zahlverfahrens scheiterten. Mitte 2020 aber wird er nun zum Standard. Der QR-Code (englisch Quick Response, „schnelle Antwort“, als Markenbegriff „QR Code“) ist ein zweidimensionaler Code, den die japanische Firma Denso Wave im Jahr 1994 entwickelt hat. Der QR-Code besteht aus einer quadratischen Matrix aus schwarzen und weissen Quadraten, die kodierte Daten binär darstellen. Eine spezielle Markierung in drei der vier Ecken des Quadrats gibt die Orientierung vor.

Die Daten im QR-Code sind durch einen fehlerkorrigierenden Code geschützt. Dadurch wird der Verlust von bis zu 30 Prozent des Codes toleriert, d. h., er kann auch dann noch dekodiert werden. Das Verfahren ist sehr robust und daher weit verbreitet.

Prozesse für Zahlungsabwicklung umstellen

Die neue Rechnung mit QR-Code vereinfacht den Zahlungsverkehr zwischen Rechnungsstellern und Zahlungspflichtigen, ihren Banken und den elektronischen Datenaustausch im Interbankenbereich. Die neuen Rechnungen sollen Bearbeitungszeiten und -kosten senken, und die Abwicklung durch Zahlungsverkehrsdienstleister sowie deren Informationsaustausch untereinander beschleunigen. Das kann aber nur gelingen, wenn alle Beteiligten auch ihre IT-Hard- und Software auf die technischen Anforderungen umstellen. Das bedeutet, dass sie ihre Prozesse der Zahlungsabwicklung mit QR-Code-fähigen Lese- und Schreibtechnologien aufrüsten müssen. Die grösste Herausforderung ist, die Prozesse so zu automatisieren, dass keine manuelle Bearbeitung nötig ist. Hier zeigen sich im Detail zahlreiche Fallstricke: Denn neben dem QR-Code sind auch Handschriften zu erkennen, widersprüchliche Informationen im QR-Code und den Textfeldern im Sichtteil zu klären sowie die Schnittstellen zu Transaktionspartnern den neuen Möglichkeiten anzupassen.

QR-Rechnung: Herausforderungen für Schweizer Finanzinstitute Teil 2

Erfahren Sie mehr darüber wie die QR-Rechnungen verarbeitet und die Daten richtig ausgelesen, validiert und verifiziert werden.